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Donnerstag, 07 November 2019
Akustisches Monitoring

Amazonian Motmot Momotus momota in Madre de Dios, Peru (© Geoff Gallice from Gainesville, FL, USA)© Geoff Gallice from Gainesville, FL, USA

Gemeinsam mit der Universität von Puerto Rico hat ein Forschungsteam des WWF ein sogenanntes „Akustisches Monitoring“ angewandt, um anhand der aufgenommenen Waldgeräusche herauszufinden, ob Waldbewirtschaftung Einfluss auf die Biodiversität hat.


Der Amazonas ist mit 550 Millionen Hektar der grösste Regenwald der Welt. Peru selbst hat nach Brasilien den grössten Waldanteil im Amazonasgebiet. Regenwälder enthalten nicht nur wertvolle Holz- und Nicht-Holzprodukte, sondern sorgen für sauberes Trinkwasser, speichern auf lange Sicht Kohlenstoff, beherbergen eine grosse Artenvielfalt und haben eine hohe Klimarelevanz. In der Region Madre de Dios, in der die Messungen durchgeführt wurden, lebt eine grosse Anzahl an ethnisch diversen indigenen Völkern. Für diese Menschen stellt die Bewirtschaftung von Wäldern eine wichtige Einkommensquelle dar.

Ist das Fällen von Bäumen und die Entnahme von Holz möglich ohne die Harmonie in den Wäldern zu stören?
Die Wissenschaftler haben 72 Aufnahmegeräte und Kamerafallen in 3 grossen Konzessionen aufgestellt, um die Geräusche von hunderten von Arten (Vögel, Affen, Amphibien und Insekten) aufzunehmen. Zwei der drei Konzessionen sind FSC-zertifiziert. Die Geräuschaufnahmen wurden nachträglich mit speziell entwickelten Softwaretools, die in der Lage sind Geräusche von bestimmten Tierarten zu erkennen, ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigen, dass die FSC-zertifizierten Konzessionen mehr und vielfältigere Geräusche vorweisen, als nicht-zertifizierte Konzessionen. In den FSC-zertifizierten Konzessionen ist ein grosser Artenreichtum zu finden. Auch die Zusammensetzung und die Struktur der einzelnen Arten ist dem ungestörten, unbewirtschafteten Wald deutlich näher als dem nicht-zertifizierten.

Akustisches Monitoring ist eine sich weiterhin entwickelnde, kosteneffiziente Technologie, die ein grossflächiges Monitoring auch in relativ unzugänglichen Wäldern möglich macht. Jedoch sollte beachtet werden, dass je nach Ökosystem die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen können. Es bedarf noch weiterer vergleichbarer Forschung, um herauszufinden, wo und wie genau eine Zertifizierung von Wäldern in unterschiedlichen Waldökosystemen die positivsten Wirkungen für Mensch und Umwelt entfaltet.

Warum ist in einem FSC-zertifizierten Wald mehr Biodiversität?
FSC folgt verlässlichen Kriterien, die gewährleisten sollen, dass der negative Einfluss von Waldbewirtschaftung auf Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume auf ein Minimum reduziert wird. FSC-Richtlinien und damit einhergehende Kontrollen bedingen, dass Waldbewirtschafter auf einen nachhaltigen Umgang mit dem Wald bedacht sind. Dies führt dazu, dass bestimmte Massnahmen, die Lebewesen oder ganze Ökosysteme schädigen und damit die Biodiversität reduzieren können, nur kontrolliert oder gar nicht mehr erlaubt sind.

Virtuelle Tour durch Tahuamanu
Der WWF hat mit Hilfe der Messdaten eine interaktive Webseite programmiert. Auf der virtuellen Tour können Besucher dieser Seite eine grosse Auswahl an unterschiedlichen akustischen und visuellen Aufnahmen von verschiedenen Waldbewohnern (Vögle, Reptilien, Affen, etc.) entdecken. Auf anschauliche Weise wird gezeigt, dass der Regenwald ein äusserst artenreiches Ökosystem mit vielfältigen Lebensräumen ist - kurz: ein absolut schützenswerter Lebensraum.

Zur Studie: "How does FSC forest certification affect the acoustically active fauna in Madre de Dios, Peru?"