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Dienstag, 10 Dezember 2019
FSC am Montagskolloquium der ETH Zürich zur Zukunft der Waldzertifizierung

ETH Zürich, Institute of Terrestrial Ecosystems

Diskussion mit FSC, Wissenschaft, NGO‘s und Industrie zum Thema Welche Zukunft hat die Waldzertifizierung? am 9.12.19


Dr. Fritz Kleinschroth (ETH Zürich) eröffnete das Kolloquium mit dem Postulat, dass vor dem Hintergrund steigender Nachfrage nach Holz es neue Visionen brauche, wie die Zukunft der Waldzertifizierung aussehen könne. Ein Aspekt dabei sei, wie Zertifizierung vom einzelnen Holzprodukt gelöst und auf die Landschaftsebene gebracht werden könne.

Uli Grauert (Interholco) in Zug mit 1.2 Millionen Hektaren Konzessionsfläche im Kongo (entspricht der Waldfläche der Schweiz) zeigte den Trailer zum Film „Paradiese mit Zukunft“, in dem die Aktivitäten der FSC zertifizierten Interholco gezeigt wurden mit ihren positiven Auswirkungen auf die Biodiversität, auf die lokale Ökonomie, auf die Indigenen. Der Film erhielt den Deutschen Naturfilmpreis 2019. Er betonte, dass allein die Grösse der Konzession eine Landschaftsbetrachtung teilweise impliziert, die Interholco diese aber nicht als solche verfolgt.

Prof. Dr. Ernst A. Brugger (Precious Forests Foundation) mit Waldprojekten in Gabon und Brasilien betonte die Wichtigkeit von FSC und auch, dass dieses Geschäft der Tropenwaldbewirtschaftung finanziell nicht zu den hochrentablen gehöre. Hat der Wald keinen ökonomischen Wert, wird er gerodet für Landwirtschaft, für Minen.

Asti Rösle (Greenpeace) schilderte die Probleme, die FSC hat, intakte Waldlandschaften zu schützen.

Christoph Wiedmer (Gesellschaft für bedrohte Völker) wies darauf hin, dass auch in sogenannten intakten Waldlandschaften Menschen lebten. Diese hätten Bedürfnisse und verlangten, die ökonomische Nutzung des Waldes nicht auf ihre Kosten einzuschränken.

Dr. Hubertus Schmidtke (FSC Schweiz) betonte, dass die globale Demographie zu einer vermehrten Nachfrage nach Rohstoffen aller Art führen würde. Dies akzentuiere sich in Afrika. Es ginge nicht mehr darum, ob die verbliebenen Wälder genutzt würden, sondern nur noch darum, in welcher Form dies geschehen wird und ob nicht konkurrierende Landnutzungen wie Soja- und Palmölproduktion den Wald sowieso viel mehr gefährdeten.

Prof. Dr. Benno Pokorny (Universität Freiburg i.Br.) bemängelte am FSC, dass dieser für grosse Firmen ausgelegt sei und Kleinwaldbesitzer es schwer hätten, sich zertifizieren zu lassen.

Gemma Bootekees und Dr. Hans-Joachim Droste (FSC International) zeigten auf, wie sich FSC in all den genannten Problemfeldern der Holznutzung in den Tropen bemüht, Lösungen zu finden, dass ein freiwilliges Label jedoch auch limitiert sei. FSC verfolge einen „Landscape approach“. Jedoch würde FSC keinen Standard für die ganze Landschaft anstreben, sondern weiterhin sich auf den Wald konzentrieren und mit den anderen Akteuren in der Landschaft kooperieren. Alles andere würde das FSC-System überfordern. FSC könne keine geregelte Landnutzungsplanung ersetzen.

Dies bestätigte Damian Oettli (WWF). FSC könne nicht alles leisten, sei aber ein wichtiger Ansatz.

Prof. Dr. Christoph Schurr (Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg) berichtete von den Schwierigkeiten, allein die Legalität der Holznutzung nachzuweisen. Immer noch seien über 20% der weltweiten Holznutzung nicht legal. Selbst in Europa gebe es Probleme (Rumänien, Ukraine, Russland). Bisher gebe es nur ein einziges FLEGT-Abkommen, das mit Indonesien, in dem der Legalitätsnachweis auf nationaler Ebene geregelt werden konnte. Die Umsetzung der EUTR ist ein sehr schwieriger Prozess.

Die Schlussfolgerung des Kolloquiums war, dass FSC nicht alle Probleme um den Tropenwald lösen kann, dass FSC aber trotz gewisser Mängel und Defizite einen wichtigen Beitrag leisten kann zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Tropenwälder.