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Montag, 06 November 2017
Was geschah an der GA von FSC International?

FSC Generalversammlung - General Assembly 2017 (© FSC AC_Geoff Howe)© FSC AC_Geoff Howe

FSC General Assembly 8. - 13. Oktober 2017 in Vancouver (Kanada)


Alle drei Jahre findet die Generalversammlung (General Assembly GA) von FSC International statt.

Der FSC wird über Motionen an der Mitgliederversammlung gesteuert. Zur GA 2017 wurden 71 Motionen eingereicht:

  • 15 Motionen wurden angenommen
  • 20 Motionen wurden abgelehnt
  • 36 Motionen wurden zurückgezogen, zusammengelegt oder nicht behandelt

Eine Motion gilt nur als angenommen, wenn alle drei Kammern (Umwelt, Wirtschaft, und Soziales) mehrheitlich zustimmen.

Die verschiedenen Schlussabstimmungen fanden am Donnerstag und Freitag statt. Im Vorfeld (Montag bis Mittwoch) wurden die Motionen in den drei Kammern separat beraten. Völlig aussichtslose Motionen wurden zurückgezogen. Viele Motionen wurden aufgrund der Beratungen noch abgeändert, um mehr Stimmen zu gewinnen. Zu einigen Motionen gab es zudem Informationsveranstaltungen der Motionäre (side events). Die allerletzte Motion (Nr. 71) wurde Freitagmittag noch eingereicht und durch Geschäftsordnungsantrag sofort behandelt und angenommen.

Beispiele für abgelehnte Motionen:

  • Die Motion 60 verlangte zwingend die Beteiligung eines speziellen Experten für die sozialen Aspekte bei den Audits. Die Diskussion ergab, dass man Sozialkompetenz bei den Zertifizierungsfirmen einfordern muss, nicht aber eine Person.
  • Motion 50 verlangte, dass die Rechte der Arbeitnehmerschaft, wie sie in den Waldstandards umgesetzt sind, auch auf die Firmen der Verarbeitungskette auszudehnen seien. In der Diskussion wurde ausgeführt, dass dies zwar wünschenswert sei, dass es das FSC-System aber bei weitem überfrachten würde.

In der Tendenz wurden mehrere Motionen der Sozialkammer von der Wirtschaftskammer abgelehnt. Es gab auch von vorneherein chancenlose Motionen, die als politische Statements zu verstehen waren. So wurde die Motion 50 mit grosser Mehrheit abgelehnt, die neben Umwelt, Wirtschaft und Soziales eine vierte Kammer für die Indigenen Völker forderte, wie es bei FSC Kanada bereits der Fall ist. Dies hätte die Grundstruktur des FSC verändert und die schon schwächste Kammer noch aufgespalten.

Angenommen wurden Motionen zur Stärkung der Beteiligung der Kleinwaldbesitzer (Smallholder). Mehrere Motionen waren von einer Arbeitsgruppe zu guter Führung (Governance) entwickelt worden. Diese wurden überwiegend angenommen.

Motion 71
Vorfeld: Die abgelehnte Motion 38 forderte die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zum Konzept "Indigenous Cultural Landscapes" ICL. Die kulturellen Aspekte der Wälder, die die indigenen Völker betreffen, sollen beachtet werden. Zuvor wurden die Motionen 3, 6, 9 in die 38 eingearbeitet.
Eine Konfliktlinie innerhalb FSC betrifft das Verhältnis von "Intact Forest Landscapes" IFL und ICL. Das Konzept des besonderen Schutzes von unberührten Wald-Landschaften (IFL) war an der GA 2014 von Greenpeace lanciert worden. Vertreter der indigenen Völker beurteilten das kritisch, da sie ihre traditionellen und wiedererworbenen Verfügungs- und Nutzungsrechte über Waldgebiete bedroht sahen. Heutige IFL waren nicht immer menschenleer, oftmals waren die Ureinwohner daraus vertrieben worden. Mit dem Konzept der ICL wollte man diesen Befürchtungen begegnen. Die Ablehnung der Motion 38 erzeugte einen grossen Unmut in der Sozialkammer.

Schliesslich wurde am Freitagmorgen noch verhandelt und eine neue Motion 71 wurde eingereicht, die ein generelles Bekenntnis zu ICL innerhalb von IFL beinhaltet. Diese allgemeine Formulierung ermöglichte eine breite Zustimmung. Die Umsetzung wird dann regionenspezifisch verhandelt werden.

Eine wichtige Rolle bei der Formulierung und Annahme der Motion 71 hat Ulrich Grauert von der Interholco AG aus Zug gespielt. Die Interholco gehört zum Danzer-Konzern, der über eine Million Hektare Wald in Kongo unter Lizenz hat. Durch seine unaufgeregte Unterstützung der Motion, und durch die Feststellung, dass man im Kongo das bereits mache, was hier verlangt werde, konnte die breite Unterstützung erreicht werden.


FSC GA 2017 members votingPeter Lantin, President of the Haida Nation at FSC GA 2017 (© FSC AC_Geoff Howe)© FSC AC_Geoff Howeaboriginal people at FSC GA 2017 (© FSC AC_Geoff Howe)© FSC AC_Geoff HoweMotionen an der FSC GA 2017 (© FSC AC_Geoff Howe)© FSC AC_Geoff HoweUlrich Grauert, director of Interholco AG – FSC-certified forest management: keeping forests and bettering lives